Noch nie wurde in Österreich so viel Auto gefahren wie heute. In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Autoverkehr verdoppelt, in den vergangenen 50 Jahren sogar verfünffacht, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Es gab nur fünf Jahre seit dem Jahr 1960, in denen der Autoverkehr zurückgegangen ist, zuletzt im Jahr 2012. Die Anzahl der Insassen pro Auto ist massiv gesunken, in 100 Pkw sitzen heute im Schnitt nur noch 115 Personen. Der VCÖ betont, dass Österreich die Klimaziele nur mit einer Reduktion des Autoverkehrs erreichen kann.

Rund 71,5 Milliarden Kilometer sind im Vorjahr die Autos in Österreich gefahren. Während zwischen 2008 und 2012 der Autoverkehr in Österreich stagnierte, ist in den vergangenen fünf Jahren eine massive Zunahme des Autoverkehrs um mehr als sieben Milliarden Kilometer zu verzeichnen.

„Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die klimaschädlichen Emissionen des Verkehrs bis zum Jahr 2030 um ein Drittel zu reduzieren. Mit der Zunahme des Autoverkehrs nehmen aber auch die CO2-Emissionen zu. Um das Klimaziel zu erreichen, ist der Autoverkehr in den kommenden Jahren deutlich zu reduzieren“, betont VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen.

Seit dem Jahr 1960 ist der Autoverkehr nur fünfmal gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Am stärksten im Jahr 1973, als infolge der Ölkrise Sprit teurer wurde und autofreie Tage eingeführt wurden.

Im Jahr 1973 legten die Autos in Österreich 2,16 Milliarden Kilometer weniger zurück als im Jahr 1972. Ein Rückgang um rund acht Prozent.

Im Jahr 2009 führte die Finanzkrise zu weniger Autofahrten. Und in den Jahren 1981, 1982 und zuletzt im Jahr 2012 sorgten höhere Spritpreise für weniger Autoverkehr.

Eine von mehreren Ursachen für die Zunahme des Autoverkehrs ist der stark gesunkene Besetzungsgrad. Während im Jahr 1980 im Schnitt noch 162 Personen in 100 Autos saßen und im Jahr 1990 noch 136, sind es heute nur mehr 115 Personen, macht der VCÖ aufmerksam. „Die massive Zunahme der Anzahl der Autos, insbesondere der Zweitautos, führte dazu, dass heute viele selber hinter dem Lenkrad sitzen, statt mit jemand mitzufahren. Mit einem Besetzungsgrad wie im Jahr 1990 könnten jährlich bis zu elf Milliarden Autokilometer vermieden werden“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Rasmussen. Während zwar immer häufiger nur eine Person im Auto sitzt, sind aber die Fahrzeuge in den vergangenen Jahren breiter und schwerer geworden.

Mobilitätsverhalten in der Stadt und am Land

Die Schere zwischen Stadt und Land geht beim Mobilitätsverhalten immer stärker auseinander. In den Städten hat sich das Mobilitätsverhalten verändert. Noch im Jahr 1991 war beispielsweise in Graz die Zahl der Autos pro 1.000 Einwohner höher als in den steirischen Bezirken. Heute gibt es in Graz 469 Pkw pro 1.000 Einwohner, außerhalb von Graz kommen in der Steiermark auf 1.000 Einwohner bereits 641 Pkw.

Ein weiterer Verkehrserreger ist die Zersiedelung. Siedlungen außerhalb der Ortskerne und gleichzeitig fehlende Rad- und Gehwege führen dazu, dass viele Alltagswege mit dem Auto gefahren werden. Ebenso sorgen Supermärkte auf der grünen Wiese statt im Ortszentrum dazu, dass Einkäufe nicht mehr zu Fuß erledigt werden, sondern mit dem Auto.

 

 

Der VCÖ fordert eine Infrastrukturoffensive für klimaverträgliche Mobilität: Neben deutlich mehr Radwegen in den Regionen und einer fußgängerfreundlichen Verkehrs- und Raumplanung in den Gemeinden und Städten braucht es auch ein dichteres Bahnnetz sowie häufigere Verbindungen. Auch sind Anreize zu setzen, damit vor allem größere Unternehmen betriebliches Mobilitätsmanagement einführen.

Neben der Verbesserung des klimaverträglichen Mobilitätsangebots braucht es aber auch eine umfassende ökologische Steuerreform. „Klimafreundliches Verhalten belohnen, CO2-Ausstoß und Ressourcenverbrauch besteuern“, bringt es VCÖ-Expertin Rasmussen auf den Punkt. Vorbild bei der CO2-Abgabe ist Schweden.

Link 
VCÖ

Anzeige-boad